Wirksam entsäuern Teil 1: Die basenüberschüssige Ernährung

Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn wir unseren Körper entsäuern wollen und damit den Folgen der Übersäuerung entgehen (wie z.B. auch Cellulite, was wir in meinem letzten Artikel gesehen haben), dann müssen wir unserem Körper mehr basenbildende Lebensmittel zuführen und weniger säurebildende Lebensmittel. Im Idealfall sollte ein Verhältnis von 70-80% Basenbildern zu 20-30% Säurebildern bestehen.

Hiermit könnte dieser Artikel dann also bereits enden, wenn jedem unmissverständlich klar wäre, was genau basen- und was säurebildende Lebensmittel sind.

Leider ist es jedoch nicht ganz so einfach.

Zum Thema Säuren und Basen kursieren die unterschiedlichsten Tabellen im Internet und in einschlägiger Fachliteratur. Selbstverständlich erhebt jede Liste davon den Anspruch, über jeden Zweifel erhaben zu sein. Dem Leser kann es da schon ganz schön schwerfallen, festzustellen, was denn nun stimmt und was nicht.

Auch mir ist das bei meiner Recherche nicht ganz leichtgefallen.

Die meisten Tabellen, die sich auf die säure- und basenbildende Eigenschaft von Lebensmitteln beziehen, basieren auf der sogenannten PRAL Tabelle. PRAL steht für „potenzielle renale Säurebelastung“.

Nein, ich erwarte durchaus nicht, dass diese Bezeichnung dich sonderlich erhellt. Lass uns daher einmal beleuchten, um was es genau geht bei dieser ominösen PRAL Tabelle.

Wir gehen zurück ins Jahr 1913. Damals gelang es einem schwedischen Biochemiker namens Ragnar Berg, den Säure- und Basengehalt in vielen Lebensmitteln zu ermitteln.

Und zwar ging er dabei folgendermaßen vor:

Berg nahm die verschiedensten Lebensmittel und verbrannte diese (um die Verbrennung in unserem Körper zu symbolisieren). Nach der Verbrennung analysierte er die Asche der Lebensmittel.

Beispielsweise verbrannte Ragnar Berg auch eine Zitrone, die ja bekanntlich sehr sauer schmeckt und einen beträchtlichen Anteil an Zitronensäure enthält. Man sollte also davon ausgehen, dass diese Frucht eher sauer verstoffwechselt wird.

Als Ragnar Berg jedoch damals die Zitrone verbrannte, blieben jede Menge basenbildende Mineralien wie Calcium, Magnesium und Bikarbonat zurück. Da diese Mineralstoffe in der Lage sind, Säuren zu neutralisieren, schloss Berg daraus, dass die Zitrone basenüberschüssig sein muss.

Diese Erkenntnis wird seither in fast jeder Säure-Basen-Tabelle so wiedergegeben.

Jedoch bietet die Vorgehensweise von Ragnar Berg aus heutiger wissenschaftlicher Sicht einigen Anlass zum Zweifel.

Leider beachtete Berg nämlich nicht, dass der Wasserstoff (H+) beim Verbrennungsprozess in die Luft verdampfte, also demnach in der Asche gar nicht mehr messbar sein konnte.

Jedoch ist es genau diese H+ Verbindung, die jede Säure ausmacht.

Außerdem stellt sich die Frage, ob die Verdauung in unserem Körper wirklich mit einer Verbrennung gleichgesetzt werden kann.

Wenn überhaupt, dann findet eine solche Verbrennung erst in den Zellen selbst statt. Bevor jedoch die Substanz dort ankommt, passiert sie die Schleimhaut des Mundes, das Zahnfleisch, die Zähne, die Wände der Speiseröhre, des Magens und des Darmes.

Es gibt daher mittlerweile viele Stimmen, die empfehlen, die Lebensmittel nach ihrem tatsächlichen PH-Wert einzuteilen und nicht nach der PRAL-Tabelle.

Die Zitrone wartet mit einem satten sauren PH-Wert von 3 auf und wäre somit eindeutig zu den säurebildenden Lebensmitteln zu zählen.

An dieser Stelle würde ich gerne einen kurzen Abstecher in den Bereich der Chemie unternehmen, um diese These noch mit gesicherten Fakten zu untermauern.

Und zwar kommen wir zurück zum Aufbau von Säuren und Basen.

Alle Säuren haben gemein, dass sie aus H-Ionen (Wasserstoffionen) und einem Säurerest bestehen. Alle Basen haben gemein, dass sie aus OH-Ionen (Hydroxylgruppenionen) und einem Basenrest bestehen.

Wenn nun Säuren und Basen aufeinandertreffen, verbindet sich der Säurerest mit dem Basenrest zu sogenannten Salzen. Die Stärke einer Säure bzw. einer Base bestimmt, wie groß die Löslichkeit der von ihnen gebildeten Salze ist.

Eine der wichtigsten chemischen Verbindungen ist die der Phosphorsäure mit Kalzium. Dabei entsteht als unlösliches Salz der phosphorsaure Kalk. Dieser phosphorsaure Kalk ist der Baustein für unsere Knochen und Zähne.

Nun ist es gewissermaßen logisch, dass jede Säure, die stärker ist als die Phosphorsäure, das Kalzium aus dieser wichtigen Verbindung löst und stattdessen an sich bindet!

Essigsäure, Milchsäure, Apfelsäure, Zitronensäure, Weinsäure, Harnsäure und Oxalsäure sind allesamt zu den starken Säuren zu zählen und sind somit stärker als Phosphorsäure.

Somit rauben diese Säuren das Kalzium aus unseren Knochen, Zähnen, Blutgefäßen etc. Das lösliche Salz wird hernach unwiederbringlich ausgeschieden oder im schlimmeren Fall als Schlacke in unserem Bindegewebe eingelagert.

Daher ist davon auszugehen, dass auch Lebensmitteln, die große Mengen an diesen Säuren enthalten, für unseren Körper und unser Säure-Basen-Gleichgewicht als Säurebringer zu bewerten sind.

Es ist daher ratsam, zumindest im ersten Bestreben, ein Säure-Basen-Gleichgewicht zu erreichen, statt sauren Äpfeln und Zitrusfrüchten lieber eindeutig basische Obstsorten wie z.B. Melonen oder Bananen zu wählen.

Auch Lebensmittel die Oxalsäure enthalten, sollten in der ersten Zeit nur sparsam verzehrt werden. Dazu gehören: Bohnen, Chicorée, Erdbeeren, Himbeeren, Mango, Mangold, Paprika, Rote-Beete, Spargel, Spinat und Tomaten.

Ebenfalls säurebringend sind Aprikosen, Artischocken, Erbsen, Essiggurken, Frühlingszwiebel, Heidelbeeren, Kirschen, Kiwi, Knoblauch, Lattich, Lauch, Linsen, Mandarinen, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen und Zwiebel.

Diese Übersicht macht deutlich, dass man selbst als Frugivore oder Rohköstler nicht davor gefeit ist, in eine Säure-Basen-Ungleichgewicht zu rutschen.

Nun wirst Du dich sicher fragen, was Du denn nun genau essen sollst, um endlich wieder in den grünen Bereich der Säure-Basen-Werte zu kommen und endlich und dauerhaft unschöne Begleiterscheinungen der Übersäuerung, wie z.B. Cellulite, loszuwerden.

Ich finde, in den ersten Wochen der Entsäuerungs-Therapie bietet es sich an, relativ genaue und strikte Ernährungspläne einzuhalten.

Als Start in den Tag empfehlen sich immer Früchte.

Die schmecken einfach herrlich fruchtig und können einem den Start in den Tag sprichwörtlich versüßen. Viele Früchten wirken basisch wie z.B. süße Äpfel, Bananen, Birnen, frische Feigen, Melonen, Papaya und Trauben.

Diese Früchte können zum Frühstück noch kombiniert werden mit neutralen und hochwertigen Fetten wie z.B. Sahne oder Leinöl. Eine Handvoll Mandeln oder selbst gezogene Sprossen runden das Ganze ab.

Ab und zu können die Früchte auch mit Eiern z.B. in Form von Rühreiern oder Omelette kombiniert werden.

Wenn das Mal kein leckeres Wochenendfrühstück ergibt, weiß ich auch nicht!

Zum Mittagessen empfiehlt sich ein großer Salat, der hauptsächlich aus Blattgrün bestehen sollte. Idealerweise werden noch Wildkräuter wie z.B. Giersch oder Löwenzahn integriert, da diese besonders vitamin- und vitalstoffreich sind.

Als Salatdressing sollte hauptsächlich Öl zum Einsatz kommen. Mit Essig sollte man besser sparsam umgehen. (Ein Teelöffel sollte genügen.) Dafür runden frische Kräuter und etwas Senf das Dressing ab. Wer es etwas sahniger mag, kann auch noch einen Esslöffel Sahne an das Dressing geben.

Als Salatbeilage sind auch ab und zu Eier, Käse (am besten aus Rohmilch) oder Bio-Tofu in Ordnung.

Zum Abendessen bietet sich aufgrund des hohen basischen Potenzials ein Kartoffelgericht an. Hier sind der Phantasie beinahe keine Grenzen gesetzt. Von Kartoffel-Gemüse-Aufläufen über Backofenkartoffeln mit Gemüse und Butter oder auch einmal ein Kartoffelraclette bis hin zu einer Basensuppe auf Basis von Kartoffeln und Gemüse ist vieles möglich und denkbar.

Wer sich genaue Ernährungspläne und mehr Rezepte wünscht, dem sei die Buchreihe „body reset“ von Jacky Gehring empfohlen.

 

Sobald Du dann einmal deinen Säure-Basen-Haushalt saniert und ins Gleichgewicht gebracht hast, sind im Prinzip wieder fast alle Lebensmittel erlaubt. Es kommt nur auf die richtige Kombination und das Mengenverhältnis an.

Wenn Du beispielsweise konzentrierte Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Reis oder Hülsenfrüchte verzehren willst, dann achte darauf, dass diese zusammen nicht mehr als 1/3 der Mahlzeit ausmachen und mit mindestens 2/3 basischen Gemüsesorten kombiniert werden.

Konzentrierte Kohlenhydrate sollten außerdem nur sparsam mit Fett kombiniert werden, insbesondere dann, wenn man sich eine Gewichtsabnahme wünscht.

Kartoffeln wirken stark basisch und sind daher sowohl mit Eiweiß in Form von Käse, Eierspeisen, Fleisch, Fisch oder Tofu kombinierbar als auch mit Fetten wie Butter, Olivenöl oder anderen kaltgepressten Ölen.

Natürlich können auch Kartoffeln mit Salat- und Gemüsesorten kombiniert werden.

Hast Du einmal bei einer Mahlzeit über die Stränge geschlagen oder konntest Du Dir am Sonntag das Stück Kuchen zum Kaffee nicht verkneifen, dann gleiche diesen faux pas einfach mit der nächsten Mahlzeit wieder aus.

Im Idealfall ist diese dann rein basisch wie z.B. eine Basensuppe aber zumindest basenüberschüssig.

Auch einige Tage nach dem oben genannten Muster sollten Dich bei Bedarf wieder ins Gleichgewicht bringen.

Auch einige Fastentage oder reine basische Rohkosttage können hier als Maßnahme sehr wertvoll sein.

Im Grunde liegt es ganz bei dir, das richtige Gleichgewicht für Dich und Deinen Körper zu finden. Jeder Stoffwechsel ist anders und toleriert andere Mengen an Säurebringern oder konzentrierten Kohlenhydraten.

Teste immer wieder aus, was dir guttut und sei besonders nach dem Verzehr von konzentrierten Kohlenhydraten achtsam, wie dir die Speise bekommt.

Bist Du nach dem Essen besonders müde oder hast z.B. schwere Beine, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Du deinem Körper zu viel zugemutet hast.

Geh das Ganze auf jeden Fall langsam an und mit viel Genuss! Verlange nichts von dir, was Du nicht durchhalten kannst. Das bringt auf Dauer nur Frust und im schlimmsten Fall ein gestörtes Essverhalten.

Du darfst Dein Essen ruhig genießen. Das gehört dazu.

Es sollte jedoch auch keine Ersatzbefriedigung darstellen, für andere, tiefer liegende Bedürfnisse, die Du dir gerade aus irgendeinem Grund nicht erfüllen kannst.

Mach Dir immer klar, was Du gerade wirklich brauchst. Ist es tatsächlich der Schokoriegel oder wäre es eigentlich eher ein halbes Stündchen Schlaf oder eine Runde an der frischen Luft?

Versuche, so oft wie möglich Dinge zu tun, Die Dich aus tiefster Seele erfüllen, bei denen Du vollkommen Zeit und Raum vergessen kannst und die dich auf eine Art und Weise nähren, wie es ein Schokoriegel niemals könnte.

 

In diesem Sinne, bleib achtsam und natürlich gesund.

Deine Miri

 

 

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